Erstehilfe Seminar

Wenn jede Minute zählt: Erste-Hilfe-Seminar mit Tierärztin Cora-Angelina Lange

08.08.2026 – Vereinsheim

Es gibt Themen, über die spricht man ungern. Und es gibt Themen, über die spricht man besser einmal zu viel als einmal zu wenig. Erste Hilfe am Hund gehört eindeutig zur zweiten Sorte. Am 8. August war Tierärztin Cora-Angelina Lange mit ihrem Team bei uns im Vereinsheim zu Gast – und hat aus einem eigentlich unangenehmen Thema einen ausgesprochen lehrreichen und überraschend entspannten Seminar gemacht.

Was ist ein Notfall – und was nicht?

Gleich zu Beginn ging es um die Frage, die im Ernstfall über alles Weitere entscheidet: Muss ich jetzt sofort in die Klinik, kann ich bis morgen früh warten, oder beobachte ich erst einmal in Ruhe?

Frau Lange machte deutlich, dass es hier keine Grauzone gibt, in der man lange grübeln sollte. Anhaltende Atemnot, starke Blutungen, ein aufgeblähter und harter Bauch mit erfolglosem Würgen, Krampfanfälle, Vergiftungsverdacht, ein Hitzschlag oder eine plötzliche Bewusstseinstrübung – das sind Situationen, in denen man das Handy in die Hand nimmt und losfährt. Nicht googelt. Nicht wartet, ob es von allein besser wird.

Andere Dinge sehen dramatisch aus, sind es aber nicht: eine kleine Platzwunde, die ordentlich blutet. Einmaliges Erbrechen bei sonst munterem Hund. Eine leichte Lahmheit nach dem Toben. Hier lautet die Devise: beobachten, dokumentieren, am nächsten Tag den Termin machen.

Der wichtigste Satz des Seminars war aber vielleicht dieser: Im Zweifel lieber einmal zu viel anrufen. Kein Notdienst ist verärgert über eine Frage, die sich als harmlos herausstellt.

Sofortmaßnahmen zum Anfassen

Nach der Theorie wurde es praktisch – und genau das hat das Seminar ausgemacht. Denn Erste Hilfe liest sich in jedem Ratgeber leicht und fühlt sich mit einem zappelnden, schmerzhaften Hund vor sich völlig anders an.

Der Pfotenverband. Die Schnittwunde an der Pfote ist der Klassiker: Scherbe im Badesee, Splitter im Wald, aufgeschlitzter Ballen auf dem Feldweg. Wir haben geübt, wie ein Verband wirklich hält – mit Polsterung zwischen den Zehen, gleichmäßigem Zug ohne Abschnüren und der Wickelrichtung, die verhindert, dass das ganze Werk nach drei Schritten wieder am Boden liegt. Wer schon einmal versucht hat, einem Hund eine Pfote zu verbinden, der lieber daran kaut, weiß, warum Übung hier Gold wert ist.

Die Maulschlinge. Die Maulschlinge ist ist keine Grausamkeit, sondern Selbstschutz: Ein Hund mit starken Schmerzen beißt nicht aus Bosheit, sondern aus Reflex – auch der liebste Familienhund, auch bei seinem eigenen Menschen. Aus einer Mullbinde, einem Schal oder einer Leine ist so eine Schlinge in Sekunden gelegt, wenn man den Handgriff einmal gemacht hat. Wichtig: nicht bei Atemnot, nicht bei Erbrechen, nicht bei kurznasigen Rassen und niemals unbeaufsichtigt am Hund lassen.

Die richtige Nummer im richtigen Moment

Der beste Verband nützt wenig, wenn man im Ernstfall erst suchen muss, wohin man fährt. Frau Lange empfahl deshalb dringend, die relevanten Nummern vorher im Handy zu speichern und zusätzlich ausgedruckt an den Kühlschrank zu hängen – für den Fall, dass jemand anderes auf den Hund aufpasst:

  • Die eigene Tierarztpraxis inkl. Ansage zum Notdienst
  • Der tierärztliche Notdienst: NUMMER NACHTRAGEN

Ebenfalls hilfreich: Wer anruft, sollte kurz und strukturiert schildern können, was passiert ist – Rasse, Gewicht, was wann passiert ist, welche Symptome bestehen. Das spart am Telefon wertvolle Zeit.

Danke!

Ein herzliches Dankeschön an Cora-Angelina Lange und ihr Team von der Gemeinschaftspraxis Lange & Göritz-Kamischfür ein Seminar, das genau die richtige Mischung aus Ernst und Gelassenheit hatte. Wir hoffen alle, das Gelernte nie zu brauchen – und sind froh, es jetzt zu können.

Ein kleiner Tipp zum Schluss: Werft doch mal einen Blick in eure Erste-Hilfe-Tasche. Wann habt ihr das letzte Mal geprüft, ob die Mullbinden noch da sind?

Zum Schluss noch ein paar Eindrücke